Zeitschleife - ein fiktives Tagebuch

Ein Mann verliert alles was er hat, und hat nur noch einen Wunsch. Nochmals vorne zu beginnen. Eines Tages wird ihm dieser Wunsch erfüllt. .... Wie reagiert aber ein 6-jähriger, der grade eingeschult wurde mit dem Geschichtswissen des 38-jährigen und den anderen Dingen auf dieses "Geschenk"? --- Lasst euch überraschen.

Freitag, September 30, 2005

Sa. 30.09.1972 - Ein neuer Tag

Was hab ich tief geschlafen. In meinen Träumen sah ich immer wieder die Bilder, die sich gestern morgen in 33 Jahren abgespielt haben. Es ist verrückt. Ich lebe in der Vergangenheit, denke an die Zukunft, und schreibe meine Gedanken hier auf. Ein erwachsener Mann mit Berufsausbildung im 6. Lebensjahr. Ich weiss noch nicht was der wahre Albtraum ist. In den Freddie-Krüger-Filmen, die in 10 Jahren rauskommen werden, wollen die Jugendlichen nicht schlafen gehen, weil sie Angst haben, in ihren und an ihren Träumen zu sterben.


Bei mir ist es anders rum. Ich bin in meinen Träumen tot, und vermag nicht aufzuwachen. So sehr ich es mir wünsche. Doch da nun ein neuer Tag ist, ich hier immer noch nach meiner Mandeloperation liege, werde ich mich wohl (erstmal?) mit meiner Situation abfinden.
Die Krankenschwester wurde von mir beim Versuch mich Pumuckl zu nennen, sehr barsch unterbrochen. Sie hat mich verwirrt angeschaut. Dann strahlte ich sie mit meinem zuckersüssen Kindergesicht an, und sagte, daß ich lieber Pepe genannt werden möchte. Worauf sie meinte, Pepe klänge auch niedlich. Und seitdem bin ich jetzt schon Pepe.


Sag noch einer, man kann seine Geschichte nicht ändern. Nur meinen Klassenkameraden, die meisten davon waren ja auch mit im Kindergarten, muss ich diesen Spitznamenswunsch mitteilen.
Und diesmal ... wenn sie nicht hören, lernen sie mich kennen. Scheiss auf blaue Augen und so. Ich hab mich einmal über die Schulzeit zum Napf gemacht und machen lassen. Diese zweite Chance lass ich mir nicht entgehen. Auch das gehört an diesem neuen Tag im jungen alten Leben zum Masterplan.


Ja, und dann war da noch der Heinz, mein bester Freund. Der hat mir sogar die Hausaufgaben ins Krankenhaus gebracht. Toll, und das an einem Samstag. Und vor 30 Jahren war dann auch noch samstags Schule. Das ist etwas, was ich definitiv NICHT vermisst habe. Aber Ich hab ja gesagt, ich bin in der ersten Klasse. Und als er sie mir hinlegte, diese 10 Rechenaufgaben, da hab ich dann halt das Blatt ausgefüllt, und war zum allgemeinen Erstaunen innerhalb von 30 Sekunden mit der Aufgabe fertig.


Ja, ich weiss. Geht schneller. Aber man muss sich als Kind wieder ans schön schreiben gewöhnen. 1972 war/ist das ja noch ein Bewertungskriterium in der Schule "Schreib schön und schreibe richtig. Im Leben ist das sicher wichtig". So meine Klassenlehrerin immer. .... Achja, ab Di. 03.10. (nein 1972 war noch kein "Tag der deutschen Einheit", der war immer am 17.06. an das Gedenken des Arbeiteraufstandes 1952 in der DDR, die es ja nun auch wieder gibt) bin ich dann wieder in der Schule. Und dann werd ich den Spruch mit dem "Schön schreiben" wieder bis zum Abwinken hören.


Geburtstag feiern war übrigens nicht so. Meine Eltern meinten direkt nach der Operation sei das nicht so gut. Der Becher Eis (noch ein Liter) müsse erstmal reichen. Und es würde am Samstag in einer Woche nachgefeiert.


Nun gut. Jetzt geh ich erst mal in die Bibliothek und sehe nach, was für mich aus dieser Zeit noch verwertbar ist. Vielleicht gibt es ja nen Sprachführer oder so, und ich bringe mir .... weil Englisch kommt ja erst in 4 Jahren ... Englisch weiter bei.


PS: Liebes Tagebuch. Heinzi mein Klassenkumpel, und meine Eltern waren nach den Hausaufgaben sehr verdutzt, als ich ihm sagte, daß er mir ruhig weiter die Hausaufgaben bringen dürfe. Aber bitte erst dann wieder, wenn wir bei der Integralrechnung angelangt sind.
Er konnte mit dem Wort nun gar nichts anfangen, und meine Eltern haben große Augen gemacht. Das war wirklich lustig. Aber ich sollte es mit meinem Wissen dort nicht übertreiben. Sonst stecken die mich noch in ein Forschungslabor. :-D