Zeitschleife - ein fiktives Tagebuch

Ein Mann verliert alles was er hat, und hat nur noch einen Wunsch. Nochmals vorne zu beginnen. Eines Tages wird ihm dieser Wunsch erfüllt. .... Wie reagiert aber ein 6-jähriger, der grade eingeschult wurde mit dem Geschichtswissen des 38-jährigen und den anderen Dingen auf dieses "Geschenk"? --- Lasst euch überraschen.

Donnerstag, September 29, 2005

Fr. 29.09.1972 - ... vom Murmeltier geküsst

Was ist denn jetzt los? Ich bin nicht bei meiner Familien. Ich bin wach ..... das letzte Ereignis an das ich mich erinnern kann, ist, daß nach meinem Southern Comfort Cocktail mit Schlaftabletten die Polizei in meine Wohnung kam, mich wohl auf dem Boden fand. Und dann war da der Schlauch in meinen Magen ... ist wohl ausgepumpt worden.

Soweit, so nachvollziehbar.

Aber was ist passiert. Ich liege im Krankenhaus. OK, nach solch einer Prozedur auch noch nachvollziehbar.

Aber ich liege auf der Kinderstation. Ich habe kleine Hände, kleine Füsse und ich höre eine Kinderstimme, wenn ich spreche. So habe ich mir es nicht vorgestellt vor vorne anzufangen. Ich will zu meiner Familie.

Ja genau, die, die seit ein paar Stunden da oben sind. Zu meinen Söhnen, zu meiner Frau ... im Himmel. Nicht in ein Krankenhaus und in eine Situation, die ich grade gar nicht begreife.
Die Krankenschwester versucht mich dann noch mit "Dutzi Dutzi" zu beruhigen und meinte meine Eltern kämen ja bestimmt noch zu Besuch. Solch eine Mandeloperation sei auch schwer, aber es ist Herbst, es sei kalt, und ich solle meine Füsse gefälligst im Bett lassen.

Gut, dann bleib ich im Bett. Aber wieso meine Eltern, frage ich die Krankenschwester, wieso Mandeloperation? Dann hab ich sie gefragt, welcher Tag heute sei?

Sagte sie, hey Kleiner heute ist dein 6. Geburtstag. "Alles Gute" .... "und freu Dich, daß Deine Mandeln draussen sind." ..... Das .... habe ich schon mal erlebt. Muss ein Traum sein. Denn vor 33 Jahren hatte ich eine Mandeloperation am Geburtstag. Vor genau 33 Jahren.

Aber, das kann nicht sein. Es kann nicht sein, daß ich mit Tabletten und Alkohol im Magen fast einschlafe, und 3 Stunden später und 33 Jahre früher mit frisch entfernten Mandeln wieder aufwache. Das ist doch verrückt.

Dann wäre ich wieder 6 Jahre alt .... und in der 1. Klasse. .... So eine Scheisse. Noch am Morgen hatte ich Kinder. Jetzt bin ich Kind.

Wenigstens war die Krankenschwester so lieb mir ein Tagebuchersatz zu bringen, damit ich weiter schreiben kann. Obwohl sie schon gelacht hat. ... Klar, wer traut einem 6-jährigen eine solche Meisterleistung des geistigen Elaborts zu. Aber die weiss ja nicht, was ich weiss.
Und nachdem ich dann nochmal ruhig nachgefragt habe, erklärte sie mir, daß der Schlauch dafür war, daß ich nach der Mandeloperation halt wie verrückt geblutet habe. Stimmt, es gab da mal nen Artikel im Stern in den 90ern oder so, da stand das drin, daß es immer mal passiert, daß bei Mandaloperation andere verbluten. Aber damit würde es noch über 20 Jahre dauern, bis dieser Artikel, den ich gelesen hatte, bzw. gelesen haben werde, überhaupt geschrieben wird.
OK. Wenn das jetzt kein Traum ist, dann wird das noch ein spannendes Leben. Aber meine Kindheit wollte ich nicht noch mal durchspielen. Das sei meinem Schöpfer gleich dazu gesagt. Na gut ..... ich bin noch müde. Von dem Cocktail? Oder von der Mandeloperation?